Verantwortungsbilanz – ein Blick ins neue Jahr

Zum Jahresanfang Bilanz zu ziehen über das vergangene Jahr und die Vorsätze für das Neue zu formen, das gilt gleichermaßen im privaten wie auch für die Führungsetagen von Unternehmen. Ist das Kalenderjahr zugleich das Geschäftsjahr, beginnt sowieso die Erstellung der Jahresbilanz, heute bei vielen Unternehmen begleitet vom ergänzendem Lage-, Umwelt- oder Nachhaltigkeitsbericht. Für die großen Unternehmen ist nun Gesetzespflicht, über freiwillige ökologische und soziale Leistungen zu berichten.

Hinter der Berichtspflicht über im Prinzip freiwillige Leistungen der Unternehmen steckt ein Kulturwandel, nämlich die Einsicht der Politik, dass sie nicht allein die notwendige Ordnung globaler Nachhaltigkeit schaffen kann, sondern verantwortliches Engagement der Akteure der Marktwirtschaft benötigt. Denn die rasch zunehmende Komplexität der Auswirkungen unserer Zivilisation auf den Globus ist erdrückend. In Kalifornien brennt seit fünf Wochen der größte Waldbrand der Geschichte – und dies im Dezember, nicht etwa wie bisher im Sommer – vier große Hurrikans und jetzt eine Winterkatastrophe haben die USA heimgesucht. All das zeigt, dass der Klimawandel die Wetterereignisse aufsteilt und nicht die mittlere Erwärmung, sondern diese Zunahme der Extrema zur eigentliche Gefahr wird. Und zudem Artenrückgang, Bienensterben, Pestizide, Rückgang der Demokratie bei weltweiter Zunahme der Korruption und so fort. Verantwortungsvoller Umgang der Marktwirtschaft mit all diesen Problemen ist wahrhaft komplex und für jedes einzelne Unternehmen, jeden Wirtschaftssektor unterschiedlich.

Die Politik nicht überfordern
Es ist die Zeit, wo jeder von uns sich fragen muss, ob wir nicht der Politik zu viel abverlangen und vielmehr selbst viel stärker gefordert sind, wie wir unsere Gesellschaft gestalten wollen. Die Bereitschaft, Werte mit in die Unternehmens-Vision einzubeziehen, ist bereits enorm gestiegen und trifft auf eine Kundschaft mit offenem Ohr. Es ist ein unübersehbarer Kulturwandel, aber dessen Wirkung als nachhaltig zu bezeichnen, wäre verfrüht. Es ist die Zeit, wo jeder Unternehmer sich überlegen sollte, wie sein Unternehmen in dieser Phase positiv beitragen kann, manchmal auch unter Abstrichen bei der Gewinnmaximierung.

Die eigenen Nachhaltigkeits-Versprechen überprüfen
Allein die deutsche Wirtschaft hat ihre Qualitätsversprechen in mehr als 1000 Gütesiegeln und Labels und in hunderten von Ethikkodizes von Firmen und Firmengruppen als Leitlinien für die Geschäftspolitik zum Ausdruck gebracht. Nimmt man die Auflistung von 750 Labels bei Label-online.de, so versprechen fast 100 davon Klimaneutralität, 180 Ressourcenschutz und 140 Labels versprechen ökologische und Bio-Vorbildlichkeit. Die Jahreswende ist für alle beteiligten Unternehmen die beste Zeit, Bilanz zu ziehen und nach Wirksamkeit zu fragen – und die Geschäftspolitik noch straffer am versprochenen Ziel auszurichten.

Der Klimawandel ist eine besondere Herausforderung
Analysen des Forschungsinstituts für angewandte Wissenschaften FAW in Ulm analysierten im Vorfeld der vergangenen Klimakonferenz in Bonn die Wirkung der politischen Maßnahmen weltweit mit dem erschreckenden Ergebnis, dass diese bei weitem nicht
ausreichen werden, das berühmte 2° Ziel zu erreichen, vom eigentlich geforderten 1,5 Grad Ziel ganz zu schweigen. Ein erheblicher Beitrag der Privatwirtschaft wird zusätzlich notwendig sein. Sie konzentriert sich derzeit auf die Reduzierung von Emissionsgase, aber auch die Ergänzung durch CO2-Kompensationsprogramme für ein Null-Emissions-Ziel kommt mehr und mehr zum Einsatz. Sie ist bereits Routine bei Flugbuchungen, Autokäufen und vielen klimaneutralen Gütesiegeln.

Die Palette der Möglichkeiten ist also breit und sie ist verschieden für jeden Wirtschaftssektor und jedes Unternehmen. Die erste CSR- Bilanz der großen Aktiengesellschaften wird nicht nur ein Bericht sein, sie wird in verantwortungsvoll geführten Unternehmen vielmehr weiterer Anstoß sein für Nachdenklichkeit nicht nur im Unternehmen selbst, sondern auch in den Lieferketten und damit breit im Mittelstand. Zu berichten ist trocken, zu handeln aber ist der Reiz für verantwortungsvolle Unternehmers in dieser Zeit der Bewährung unserer Zivilisation.

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