Siemens und das Ringen um Nachhaltigkeit

Anfang des Jahres schlug ein Gespräch zwischen der Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer und dem Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser hohe Wellen. Kaesers Vorschlag, Neubauer in den Aufsichtsrat des Energiebereichs als Vertreterin der Nachhaltigkeitsszene und der Klimadebatte zu berufen, kam überraschend und war spektakulär.

Eigentlich passte der Vorschlag zur zunehmenden Bereitschaft der Wirtschaft, sich den Herausforderungen der Nachhaltigkeit zu stellen und sich selbst Ziele zu setzen – beispielsweise ein Datum zur CO2-Neutralität. Pioniere wie SAP, Allianz und mehrere Automobilfirmen gingen bereits voran und selbst der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock forderte ein Umdenken beim Klimawandel.

Von Ungefähr kam Kaesers Vorschlag allerdings nicht. Schon die EU-Kommission hatte in ihrer CSR-Strategie Branchenverpflichtungen zu mehr Unternehmensverantwortung angeregt. Selbstverpflichtung und Selbstorganisation der Wirtschaft gehören auch zu den Vorschlägen in den Büchern des Autors, um die immer zügellosere Marktwirtschaft zu zähmen.

Nun gab es also einen Mutigen, der einer Mahnerin für das Unternehmensziel Nachhaltigkeit eine Stimme in einem Aufsichtsgremium geben wollte. Aber intern durchsetzen konnte sich Joe Kaeser bei Siemens nicht. Kurz nach dem Vorstoß wurde sein baldiges Ausscheiden angekündigt.

Dann kam die Pandemie. Die Aufmerksamkeit, die Fridays for Future für den Klimawandel erzeugt hatte, wurde verdrängt durch die Coronakrise – und die Initiative des Siemens-Chefs geriet so wie viele andere Vorsätze in Vergessenheit.

 

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