Kompetenz statt Marketingspektakel – Kanzler oder Präsident?

Die Schwäche der beiden Präsidentschaftskandidaten der USA reizt zum Vergleich mit unserem System der Nominierung eines Kanzlers oder einer Kanzlerin. Ziemlich gleichzeitig mit der Begrenzung der amerikanischen Verfassung auf zwei Amtsperioden wurde die Nominierung in »Vorwahlen« durch die Parteimitglieder der einzelnen Bundesstaaten festgelegt, den sogenannten »primaries«.


Vorzug für Vermögende
Bewährt hat sich dies nach meiner Meinung nicht. In den vergangenen fünfzig Jahren ist dies zu einem Marketingspektakel mit enormem Kostenaufwand verkommen mit deshalb deutlichem Vorzug für Vermögende – vor allem, wenn die von anderen Vermögenden gestützt werden. Die Funktion des Regierungspräsidenten erfordert aber nicht Reichtum und Vermögen, sondern vor allem eines: Kompetenz, bestehend aus Ausbildung, Erfahrung, analytischem Talent, Verhandlungsgeschick, sozialer Kompetenz, einer kleinen Prise Charisma sowie einer vertrauenswürden Ausstrahlung.

Im Übrigen ist die Beurteilung der Eignung und Persönlichkeit eines Präsidentschaftskandidaten nach meiner Meinung zu komplex für eine Direktwahl durch den Wähler – gerade die aktuellen Beispiele in den USA oder in Brasilien zeigen dies überdeutlich. Die Wahl des Präsidenten oder des Kanzlers durch das Parlament ist dem vorzuziehen mit der Vorstufe der Nominierung des Kandidaten durch die Organe der führenden Partei.
Noch eine Anmerkung zu diesem Vergleich: Auch die in USA unterlassene Amtstrennung des Kanzlers als Vorsitzendem der Regierung und des Präsidenten als oberstem Repräsentanten des Staates vermisst man als stabilisierende Dualität, beispielsweise in der letztjährigen Regierungskrise in Österreich.

Es ist Thema meines jüngsten Buchs „Zähmt die Wirtschaft“

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