Trickkiste des Lobbyismus stürzt uns weiter in die Klimakrise

Der Klimawandel ist das traurige Resultat der unglaublich rauen Lobbymethoden, mit denen unsere Politik »beraten« wurde. Und die Protagonisten stießen wegen der geringen Fachkenntnis der politischen Klasse auf offene Ohren. Diese Mischung aus Aufklären, Angst machen und Überredungskunst ist der Brei, der unseren Politikern immer wieder warnend angeboten wird. Und daraus entstehen dann die arg abgeschwächten Maßnahmen und Versprechen der Politik gegen die großen Probleme, wie eben die unzureichenden Maßnahmen bei der weltweiten Bekämpfung des Klimawandels.

Der Wolf im Schafspelz

Die Abwehrkraft der Wirtschaft geht dabei tief. Vor allem die Industrie wird von grundsätzlichen Umbrüchen tief getroffen, wenn die Technologien aufgegeben werden sollen, die den Automobilsektor, die Energiewirtschaft oder die Landwirtschaft beherrschen. Es geht dann um dramatische Verluste von Werten, von Know-how und durchaus auch von Arbeitsplätzen – oder deren Abbaukosten. Und es geht um dramatische Abschreibungen, die Verluste in den Jahresabschlüssen erzeugen und damit auch um die Verluste hoher Boni und oft auch der eigenen Zukunft der Vorstände. Die Industrie nutzt deshalb über Lobbyarbeit hinaus auch jede andere Möglichkeit, bremsend Einfluss zu nehmen. Und die Möglichkeiten sind zahlreich. Sie beginnen bei der teils käuflichen Presse – man muss ja nur die Werbeaufträge verweigern –, setzen sich fort beim Streuen von Zweifeln und Angstmache mit den Standarddrohungen Arbeitsplatzsicherheit und Energiestabilität. Sie gipfeln schließlich im Aufkauf ungeliebter Start-ups und der schlichten Verweigerung, das Notwendige zu tun. Es ist kein Szenario, bei dem die »ordnende Hand« des Marktes unsere langfristige Zukunft absichern. In den Märkten spaziert vielmehr der Wolf notfalls auch im Schafspelz, der die Ahnungslosen umgarnt und die gefährlichsten Jungen auffrisst. Der Bürger und die Verbraucher, das sind Hänsel und Gretel – nur nicht so schlau wie im Märchen.

Brutalo pur – mit Tradition

Das krasseste Beispiel ist das Verhalten der Ölkonzerne, allen voran Shell und Exxon. Erst vor einigen Jahren wurde bekannt, dass Shell bereits 1984 eine Wissenschaftlergruppe beauftragt hatte, sich zu den Risiken eines Klimawandels zu äußern. Mit großer Deutlichkeit wies die Gruppe auf die Gefahren hin, aber das Management des Ölkonzerns reagierte mit Geheimhaltung. 1989, nach der Gründung des Weltklimarates der UN, schuf der Konzern gemeinsam mit Exxon und BP die Lobbygruppe Global Climate Coalition, deren Aufgabe es war, Zweifel an den immer eindeutiger werdenden wissenschaftlichen Ergebnissen zu äußern, und der wegen ihrer unglaublichen Dreistigkeit Wikipedia einen längeren Beitrag widmet. Man wusste, dass es journalistischer Brauch ist, in jede Diskussion auch Gegenmeinungen einzubringen, und so wurden die zahlreichen Talkshows zur willkommenen Plattform dieser Verunsicherung. Die Global Climate Coalition war bis 2002 operativ tätig. Ihr gehörten bald nach der Gründung auch die Autobauer Ford, General Motors und Daimler-Chrysler an. 2002 löste sie sich auf, da die Mitglieder davon überzeugt waren, dass die Regierung George W. Bush ihre Ziele weiterverfolgen würde. Der volle Umfang wurde erst vor einigen Jahren bekannt. Ein Beitrag vor einigen Jahren, unter anderem in Spiegel Daily unter dem Titel »31 Seiten Schocklektüre« liest sich tatsächlich wie ein Schock. Heute laufen vor allem in USA deshalb zahlreiche Prozesse gegen Exxon, Shell und andere, Unruhe in der deutschen Presse allerdings kaum berichtet wird. Da muss man sich schon beispielsweise den hashtag #Exxonknews bestellen und erfährt, dass nicht nur Inseln wie Hawaii, sondern auch Großstädte wie Miami oder Washington D.C. gegen diese Falschinformationen klagen – und seit kurzem auch NGOs in den Niederlanden.

P. S: Mehr dazu auch in einem weiteren Artikel: Die Umwelt-Schwerverbrecher https://www.petergrassmann.de/2019/11/19/die-umwelt-schwerverbrecher/

Außerdem gibt es ein neues Buch in Deutsch: Die Klimaschmutzlobby https://www.piper.de/buecher/die-klimaschmutzlobby-isbn-978-3-492-07027-0

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